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Luntenpistolen

von Ulrich Bretscher

Lieber Schützenkamerad,

 

Auf Wunsch unserer Japanischen Vorderladerfreunde hat der internationale Vorderladerverband MLAIC auf's Jahr 2002 als neue Disziplin das Schiessen mit der Luntenpistole (Original und Replika) eingeführt. Sie hat den Namen Tanzutsu (wörtlich: "Handrohr") erhalten.

 

Um Dich mit dieser in Europa bisher wenig gebräuchliche Waffenart näher vertraut zu machen findest Du nachstehend einige Beispiele.

 

Luntenpistole 1

Pistole mit innenliegender Spiralfeder und eisernem Hahn. Schäftung aus Nussbaum (Das ist eine grosse Ausnahme. Normalerweise sind Japanische Lunten in Weisseiche geschäftet.)

 

 

 

Lauflänge 165 mm
Kaliber 15 mm
Hahn mit Spiralfeder (Schlosstyp 4)

 

Die Pistole gehört einem meiner Freunde, einem Zahnarzt aus Eden im Staate New York. Sein Vater hatte sie kurz nach dem zweiten Weltkrieg, 1945 oder 46 in New York gekauft. Wahrscheinlich war sie ein Beutestück aus Japan.

 

Anschliessend drei Varianten von Schlossen mit stählernen, innenliegenden Spiralfedern:

 

Schloss Nr 4: "GEKI-Schloss" mit eiserner Spiralfeder

Der Auslösezahn am Ende der Abzugsstange, welch letztere sich auf der Innenseite des Schlosses befindet, wird durch die messingene Abdeckplatte über der Spiralfeder durch die Schlossplatte hindurch nach aussen gedrückt. Im gespannten Zustand stützt sie den Fuss am Hahn. Drückt man die Pistole ab, d.h. die Abzugsstange wird angehoben, so wird der Zahn in die Schlossplatte zurückgezogen, der Hahnfuss verliert seinen Halt und schnellt vorwärts, Richtung Pfanne.

 

Etwa 50% aller Japanischen Pistolen haben diesen Typ Hahn.

 

 

 

Schloss Nr. 5: Schloss mit Doppel-Spiralfeder

Funktioniert im Prinzip wie das Geki-Schloss. Hat an Stelle der federnden Messingabdeckung über der Spiralfeder eine kleine Hilfsfeder, welche die Abzugsstange nach aussen drückt.

 

Die Spiralfeder ist an der Hahnachse in einen kleinen Zahn der Welle eingehängt. Gleich wie eine Uhrwerksfeder in den Federkern übrigens

etwa 20% aller Pistolen besitzen ein solches Schloss.

 

 

Schloss Nr 6:

Nanban-Schloss (Hergestellt in Satsuma und Yonezawa): Hahn und Schlossplatte sind beide aus Stahl. Der Fuss des Hahns liegt nicht wie bei den Schlössern 4 u. 5 auf der Aussenseite, sondern auf der Innenseite der Schlossplatte.

 

 

Luntenpistole 2

Yonezawa-Pistole

Gesamt-Länge: 50 cm
Lauf-Länge : 30,5 cm
Kaliber: 14 mm
Gewicht: 1,5 kg

 

Hahn und Ladestock sind bei diesem Yonezawa-Pistolentyp beide aus Eisen. Die Schlossplatte dagegen aus Messing. Die Läufe sind rund, oben oft abgeflacht, und an Stelle der üblichen Splinten durch Laufbänder gehalten.

 

In Yonezawa war das Pistolenschiessen beliebt. Entsprechend sind von diesem Typ Pistole noch viele Exemplare erhalten.

 

Luntenpistole 3

Sehr kleine Pistole mit Doppel-Spiralfeder Schloss

Gesamt-Länge: 35.7 cm
Lauf-Länge: 19.2 cm
Kaliber: 13,5 mm
Gewicht: 1,1 kg

Allgemeine Bemerkungen zum Schiessen mit Japanischen Lunten

Und nun zum Abschluss noch einiges über das Schiessen mit Japan-Lunten allgemein:

 

Japanische Gewehre und Pistolen haben merkwürdige, kleine Kimmen und Korne. Meist besitzen diese einige Nuten und Löcher. Dabei handelt es sich nicht um die effektiven Visiereinrichtungen, sondern nur um die Kimmen- und Korn-Sättel. Es kamen da seitlich schiebliche Kimmenblätter hinein, welche mittels einem Splint in ihrer Position festgehalten wurden. Eine Ausnahme machen die pyramisenförmigen Spitzkorne, welche die definitiven Korne sind.

 

Lunten: Ein Japanischer Luntenschütze verwendet nicht meterlange Luntenseile, wie wir. Bei Wettschiessen schnitt sich der Schütze früher ein zirka 10-30 Zentimeter langes Stück von seiner Schnur. Im Hahn eingeklemmt wird dieses durch eine Nadel gesichert, welche durch die beiden meist ovalen, manchmal runden Bohrungen in der Hahnlippe gestossen wird und die Lunte beim Schuss sichert. Diese Nadel am Gewehr/Pistole mit einer Schnur befestigt und sie diente gleichzeitig als Räumnadel der Pfanne.

 

Japanische Luntenstricke sind original aus einer Mischung von Baumwolle und Sisal hergestellt worden. (Die Europäischen aus Hanf). Ob sie auch wie die unsrigen gebeucht und verbleit wurden habe ich nicht herausgefunden. Die Antwort der befragten Japaner war stets nur ein nichtssagendes Lächeln.

 

Uznach, 23. Sept. 2002
Ulrich Bretscher

Emailkontakt:  v.u.bretscher@bluewin.ch 


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