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Der Berner Stutzer 

Die Bewaffnung der Berner Scharfschützen

Die Bewaffnung der Scharfschützen des Kantons Bern stellt den ersten Versuch einer kantonalen Regierung in der Schweiz dar, die lange Feuerwaffe zu uniformieren, während die Ordonnanzen zur Gestaltung und Abmessung der Gewehre und Stutzer noch ungenau gehalten waren. Aus diesem Grund stellen wir diese hier vor.  

 

Die Nachrichten entstammen einem Gutachten über die Waffe der Scharfschutzen, welches die in Zürich im Herbst 1827 unternommenen Ermittlungen und Versuche darstellt, die zum Zweck hatten, die Steinschlosswaffe und die Perkussionswaffe, welche zum Zünden die Zündkapsel verwendete, miteinander zu vergleichen. Das Gutachten nennt unter den vorgestellten Waffen »acht Stutzer mit Perkussionsschloss aus dem Zeughaus von Bern, die nach dem Modell des Majors Fischer konstruiert waren.

 

 Wer war dieser Konstrukteur? Karl-Ferdinand Fischer, 1796 geboren, war Bürger von Bern. 1813 wurde er (mit 17 Jahren!) zum Unterleutnant im Artillerieregiment der Stadt ernannt. Im Jahr darauf begab er sich in holländische Dienste, woraus er vier Jahre später zurückkehrte. Bald erlangte er den Grad eines Hauptmanns, jedoch bei der Infanterie. Am 1. April 1826 trat er als Aide-Major in das bernische Scharfschützenkorps ein. Über die zivilen Unternehmungen des Majors Fischer weiß man wenig, ausser, dass sie ihm Zeit liessen. Denn 1826 legte er dem Kriegsrat seines Kantons den Perkussionsstutzer vor, den er von seinem Freund, den Büchsenmacher Christian Schenk (1781- 1834) hatte bauen lassen. Am 8. Juni desselben Jahrs erhielt Fischer den Auftrag, 4 bis 6 Stutzer herstellen zu lassen, um sie anschliessend auf dem Schiessplatz von Thun zu prüfen. 1829 wurde die Waffe von der Militärbehörde des Kantons Bern zur Ordonnanz erklärt.

 

 

 

Stutzer Nr. 259, signiert auf dem Lauf: Hohli, auf der Schlossplatte:  A. Bern. Die Nummer ist auf Teilen der Waffe übertragen.

 

Eine erste Bestellung über 50 Stutzer erhielt der Büchsenmacher Christian Schenk. Dieser bezog die Läufe, die Schlosse und die unbearbeiteten  Bajonette wahrscheinlich aus Mutzig oder Lüttich. Er hatte darauf zu achten, dass die Bestandteile der Waffe untereinander auszutauschen waren, und dies war das erste Mal, dass in der Schweiz eine derartige Forderung erhoben wurde. Die Schiessversuche mit diesen fünfzig Waffen fanden vom 18. bis zum 26. August 1831 vor einer Kommission statt, die aus Scharfschützenoffizieren und zwei Büchsenmachern, Hohli und Hermann, gebildet war. Die Schiessentfernungen betrugen 300 bis 500 Schritte.


Major Fischer begnügte sich jedoch nicht nur mit der Entwicklung seines Stutzers. Er entwarf eine Munitionstasche, die in ihren Fächern das umfangreiche Zubehör einer Präzisionsfeuerwaffe barg. Er ließ eine Pulver­flasche aus gepresstem Leder mit Messingbeschlägen herstellen, die als Modell für die bernischen Scharfschützen diente.

 

Wieviele Waffen wurden hergestellt?

Wir besitzen keine genauen Informationen über die Herstellung des Fischer-Stutzers. Waren es vierhundert Exemplare? Vielleicht mehr, die aus den Werkstätten von Schenk, Hermann, Hohli und Ritschard hervorgingen? Diese Produktion, dies gilt für die Gesamtheit der Stücke, zeichnete sich durch eine bestmögliche Haltbarkeit und eine selten so weit getriebene Verarbeitungsgüte aus. Der Abzugsbügel bestand aus massivem Messing, in das die Waffennummer eingeschlagen war. Befestigt wurde er mit einer Flügelsehraube. Das Bajonett lagerte sich in einer seitlich des Laufs angelöteten Halterung, wogegen in jener Zeit das Stichblatt allein mittels seiner den Lauf umfassenden Tülle befestigt wurde, die unterhalb des Korns in eine Sperre einrastete. Man findet in Sammlungen den Fischer-Stutzer oft mit einigen Detail-Varianten so in der Form des Schafts oder ausgerüstet mit einem Jagdmesser anstelle des Bajonetts, mit Originalhalterung (Schloss Thun). Dies stellt nichts Außergewöhnliches dar, da die Waffe von mehreren Büchsenmachern hergestellt wurde, welche die nichtauswechselbaren Teile nach ihren Vorstellungen ausbildeten.

 

Der Einfluss des Berner Stutzers

Der Kanton Bern leistete Pionierdienste im Hinblick auf die Einführung der Kapselzündung bei Kriegswaffen. Gewiss, dieses System, dessen Erfinder wohl der Berner Joseph Egg zu sein scheint,  war bei Jagd- und Sportwaffen geschätzt, doch war Fischer im Jahr 1826 der erste, der es für seine Militärwaffe verwendete.

 

Die Verantwortlichen des Groß-Herzogtums Baden begannen ihre Versuche 1828, Frankreich 1829, England 1830. Das Zeughaus von Born ließ die neue Waffe einigen Kantonen zukommen, damit diese sie zum Modell für ihre Scharfschützen-Kontingente nahmen. Das Zeughaus von Genf erhielt diesen Stutzer im Jahr 18471. Der eidgenössische Stutzer von 1851 wurde von der bernischen Waffe bezüglich des Bajonetts und dessen Lagerung, des Visierblatts und der Kolbenkappe beeinflusst. Major Karl-Ferdinand Fischer war wirklich ein Wegbereiter2.


Hauptsächliche Eigenschaften:

 

Gesamtlänge: 1279 mm
Lauflänge 896 mm
Kaliber: 14,8 mm
Züge: 16 mm
Gewicht: ohne Tragriemen 6190 g
Schloss: Perkussion
Visier: Verstellskala auf der rechten Laufseite, Abstufung zu 100 Schritt bis 800 Schritte
Beschläge: aus Eisen
Abzugsbügel:

aus massivem Messing

 

 

 

 

Kolben aus Nussbaumholz. Die Schaftkappe schmiegt sich gut in die Schulter ein. Das Visierblatt ist mit einem Hebel verbunden, der sich gegenüber den Skalenblatt verschiebt. Eine Ringschraube greift in die Kerben ein, die mit der, Distanzen in Schritte, übereinstimmen. Doppelabzug.

Vorderteil des Lauf:1 Gut sichtbar die Halterung, die das Stichbajonett aufnimmt. Zu beachten die herausgearbeitete Form des Ladstockendes (Fotos: René  Heimlicher)


 

 

 

1 Er befindet sich zur Zeit in der Sammlung des Musée d'art et d'histoire von Genf, Inventarnummer 141.
2 Diese Angaben wurden der bemerkenswerten Arbeit Eugen Heers entnommen: Die Scharfschützenstutzer von Major Fischer aus Bern. Veröffentlicht in: Genava Bd. XIV, 1966, Genf.
 

  


 

 

 

 

 

Bericht zusammengestellt von Rudolf Schär, Uerkheim


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